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Isometrische
Rohr­leitungs­zeichnungen

Das vollständige deutschsprachige Referenzportal für Planung, Darstellung und Dokumentation von Rohrleitungssystemen im industriellen Anlagenbau.

Zu den Grundlagen Fachglossar
30° Isometriewinkel (Standard)
Projektionsachsen
200+ Standardsymbole (ASME/DIN)
ISO 10628 Internationale Norm
// 01 · Grundlagen

Was ist eine Rohrisometrie?

Eine Rohrisometrie (auch: Piping Isometric Drawing) ist eine axonometrische Darstellung eines einzelnen Rohrleitungsstrangs. Sie vermittelt gleichzeitig räumliche Geometrie, Bauteilspezifikation, Maße und Montageinformationen — auf einem einzigen Zeichnungsblatt.

Grundprinzip der isometrischen Projektion

Im Gegensatz zur orthogonalen Projektion (Grund-, Auf- und Seitenriss) werden bei der isometrischen Darstellung alle drei Raumachsen X, Y, Z gleichwertig abgebildet. Die beiden horizontalen Achsen liegen bei 30° zur Horizontalen, die Vertikalachse zeigt senkrecht nach oben.

Dieses Prinzip bewirkt, dass eine horizontal geführte Rohrleitung in der Isometrie als schräge Linie erscheint — geometrisch korrekt konstruierbar, aber ohne die perspektivische Verzerrung einer Zentralprojektion. Längenmaße bleiben entlang der Achsen in einem festen Maßstabsverhältnis erhalten (1:1 entlang der Achsrichtungen).

Die isometrische Darstellung ist im Anlagenbau zum weltweiten Standard geworden, weil sie:

  • dreidimensionale Leitungsführung auf einer 2D-Zeichnung intuitiv lesbar macht
  • ohne Maßstab auskommt — Maße werden direkt eingetragen
  • alle relevanten Bauteile in einem Dokument zusammenfasst
  • automatisch aus 3D-Modellen ableitbar ist
Hinweis: Maßstabsfreiheit Rohrisometrien sind in der Regel nicht maßstabsgerecht. Die eingetragenen Maße (Koordinaten, Abstände) sind verbindlich — nicht die gezeichnete Länge. Das unterscheidet sie fundamental von Maschinenbauzeichnungen.

Aufbau einer Isometrie-Zeichnung

Eine normgerechte Rohrisometrie gliedert sich in vier Hauptbereiche:

LINE NO. 12"-P-1234-A3A-I REVISION B — 2024-11 SHEET 1 of 2 MATERIAL LIST ITEM QTY DESCRIPTION 1 1 GATE VALVE 2 2 ELBOW 90° 3 1 REDUCER ECC. 4 4 FLANGE WN 5 6m PIPE SMLS ISOMETRIC VIEW 1250 N E 123 456 N 789 012 EL +14.500

Schematischer Aufbau einer Rohrisometrie: Zeichenbereich (links), Stückliste (rechts), Schriftfeld (unten).

Abgrenzung zu anderen Zeichnungstypen

Dokumenttyp Inhalt / Zweck Maßstab Typischer Nutzer
P&ID Verfahrenstechnisches Fließbild; alle Armaturen, Instrumente, Verbindungen Nein Verfahrenstechniker, PLT
Rohrisometrie Räumliche Darstellung eines Leitungsstrangs; Maße, Bauteile, Stückliste Nein Rohrleitungsplaner, Monteur
Aufstellungsplan Draufsicht Anlagenlayout; Ausrüstungsstandorte, Rohrleitungstrassen Ja (1:50–1:200) Layout-Ingenieur, Bauleiter
Detailzeichnung Einzelnes Bauteil oder Konstruktionsdetail (Stütze, Halterung) Ja (1:5–1:20) Konstrukteur, Werkstatt
Spoolzeichnung Fertigungseinheit für Vorfertigungswerk; aus Isometrie abgeleitet Nein/Ja Präfabrikator, Werkstatt

Symbole in der Rohrisometrie

Die Symbolik für Rohrleitungsisometrien ist weitgehend international vereinheitlicht und folgt den Normen ASME B31.3, ISO 10628-2 sowie DIN EN 13480. Die wichtigsten Kategorien:

Gerades Rohr
Bogen 90°
Bogen 45°
T-Stück (Tee)
Reduzierstück
Flanschpaar
Schieberventil
Kugelventil
Rückschlagventil
Blindflansch
Strainer / Filter
Kompensator

Leitungsführung und Richtungsänderungen

Die Darstellung von Richtungsänderungen folgt klaren Konventionen. In der Isometrie gelten drei Hauptachsen:

  • EAST / WEST — horizontale Achse, nach rechts oben / links unten
  • NORTH / SOUTH — horizontale Achse, nach links oben / rechts unten
  • UP / DOWN — vertikale Achse, senkrecht

Jede Richtungsänderung wird durch ein Bogensymbol oder einen Winkel dargestellt. Bei 90°-Bögen wird zwischen Langbogen (LR, Long Radius = 1,5 × DN) und Kurzbogen (SR, Short Radius = 1 × DN) unterschieden.

Maßeintragung

Maße in der Rohrisometrie werden immer als Rohrmitte-zu-Rohrmitte (CL to CL) oder Rohrmitte-zu-Flanschabdichtfläche (CL to Face) eingetragen. Übliche Eintragungsformen:

KürzelBedeutung
CL–CLAchsmitte zu Achsmitte
CL–FLAchsmitte zu Flanschfläche
FL–FLFlanschfläche zu Flanschfläche
BW–BWStumpfnaht zu Stumpfnaht
EL +XX.XXXElevation (Höhenkote) der Rohrmitte
// 03 · Normen & Regelwerke

Normen, Regelwerke & Standards

Rohrleitungssysteme im Anlagenbau unterliegen einem umfangreichen Normenwerk. Die wichtigsten Regelwerke im Überblick — unterteilt nach geographischem und fachlichem Anwendungsbereich.

ASME B31.3

Process Piping

Der meistverwendete amerikanische Standard für Prozessrohrleitungen in der chemischen und petrochemischen Industrie. Regelt Auslegung, Werkstoffe, Fertigung und Prüfung. Basis für Isometrie-Annotationen weltweit.

ASME B31.1

Power Piping

Gilt für Dampf-, Wasser- und Gasleitungen in Kraftwerken und Industriedampfanlagen. Höhere Anforderungen an Schweißnahtprüfung und Druckprüfung als B31.3.

EN 13480

Metallische Industrierohrleitungen

Europäische Norm für die Auslegung, Fertigung und Prüfung metallischer Rohrleitungen. Gilt in der EU als harmonisierte Norm unter der Druckgeräterichtlinie (DGRL 2014/68/EU).

ISO 10628

Fließbilder für verfahrenstechnische Anlagen

Internationale Norm für Schemata in der Verfahrenstechnik. Teil 2 (ISO 10628-2) definiert Symbole und Darstellungsregeln für P&IDs und bildet die Basis für Isometriesymbole.

DIN 2403

Kennzeichnung von Rohrleitungen

Deutsche Norm für die farbliche Kennzeichnung von Rohrleitungen nach dem Inhaltsstoff. Relevant für Isometrien als Grundlage der Leitungsnummernvergabe und Farbkodierung.

ANSI/MSS SP-58

Rohrhalterungen

Standard für die Auslegung und Darstellung von Rohrhalterungen (Supports). Wird in der Isometrie für die Angabe von Stützkonstruktionen herangezogen.

ASME B16.5

Flansche und Flanschverbindungen

Definiert Druckstufen (Pressure Classes 150 bis 2500), Flanschformen und Abdichtflächen. Grundlage für Flanschannotationen in Isometrien: 150#, 300#, 600# usw.

EEMUA 158

Isometric Drawing Standard

Praxisorientierte Empfehlung (Engineering Equipment and Materials Users' Association) speziell für Rohrisometrien. Definiert Blattaufteilung, Stücklisten-Format, Schweißnahtbezüge und Revisionssystem.

Praxis-Hinweis: Projektspezifische Standards In der Praxis überlagern projektspezifische Engineering Standards (Client Standards, Company Standards) die allgemeinen Normen häufig. Große Auftraggeber (BASF, Shell, ExxonMobil etc.) haben eigene Zeichnungsstandards, die Symbolik, Schriftfeld, Stücklisten-Format und Nummernsysteme verbindlich vorschreiben. Vor Projektbeginn ist die Klärung des anwendbaren Normenwerks zwingend.

Nennweiten, Druckstufen & Werkstoffe

Nennweitenreihen

Rohrleitungen werden nach Nennweiten (DN = Diamètre Nominal / Nominal Diameter) klassifiziert. In der Isometrie wird die Nennweite stets angegeben — entweder metrisch (DN 100) oder in Zoll (4").

DNInchAußen-Ø (mm)Typischer Einsatz
DN 15½"21,3Instrumentenleitungen, Impulsleitungen
DN 251"33,7Kleinrohrleitungen, Utility
DN 502"60,3Prozess, Utility
DN 803"88,9Prozesslinien, Pumpendruckleitungen
DN 1004"114,3Hauptprozessleitungen
DN 1506"168,3Saugleitungen, Hauptlinien
DN 2008"219,1Hauptsammler, Kühlwasser
DN 30012"323,9Große Sammelleitungen, Abgas

Druckstufen (ASME)

Flanschanschlüsse werden nach Pressure Classes (ASME B16.5) eingeteilt. Die Druckstufe bestimmt Wanddicke, Werkstoffklasse (Piping Class) und zulässige Betriebstemperaturen.

ClassPN ca. (bar)Typisch bei
150 #PN 20Niederdruck, Kühlung, Utility
300 #PN 50Mitteldruck-Prozess
600 #PN 100Hochdruck-Prozess, Dampf
900 #PN 150Hochdruckdampf, Gashochdruckleitungen
1500 #PN 250Hochdruckreaktor, HP-Gas
2500 #PN 420Extremdruckanwendungen
Piping Class / Rohrleitungsklasse Die Piping Class (z.B. A1A, B3B) fasst alle werkstofftechnischen und druckseitigen Anforderungen in einem Code zusammen und ist in der Isometrie-Kopfzeile zu vermerken.

Häufige Rohrwerkstoffe

Kohlenstoffstahl (CS)
ASTM A106 Gr. B / ASTM A333 Gr. 6 (Tieftemperatur). Standard-Werkstoff für Prozessleitungen bis ca. 400 °C. Kostengünstig, gut schweißbar.
Austenitischer Edelstahl
ASTM A312 TP 304 / 316L. Korrosionsbeständig, hygienisch. Standard in der Lebensmittel- und Pharmaindustrie sowie für aggressive Medien.
Niedriglegierter Stahl
ASTM A335 P11/P22/P91. Warmfeste Güten für Hochtemperaturanwendungen (Dampfleitungen, Raffinerie). Erfordert Vorwärmung beim Schweißen.
Duplex / Super Duplex
UNS S31803 / S32750. Hohe Festigkeit und Korrosionsbeständigkeit, besonders gegen Chloride. Offshore-Anwendungen, Meerwasserentsalzung.
GFK / FRP
Glasfaserverstärkter Kunststoff. Leicht, korrosionsbeständig, für chemisch aggressive Medien und Abgasleitungen. Besondere Isometrie-Symbole erforderlich.
Kupfer / Kupferlegierungen
DIN EN 1057 (Kupferrohre). Für Kältemittel-, Instrumentenluft- und Trinkwasserleitungen. In Isometrien explizit als Material zu kennzeichnen.
// 05 · Workflow & Erstellungsprozess

Vom P&ID zur fertigen Isometrie

Die Erstellung einer Rohrisometrie ist ein mehrstufiger Prozess, der mehrere Fachdisziplinen verbindet. In modernen Projekten ist er weitgehend rechnergestützt — von der 3D-Modellierung bis zur automatischen Isometrieextraktion.

01

P&ID-Basis

Das verfahrenstechnische Fließbild (P&ID) definiert alle Leitungen, Armaturen und Instrumente. Jede Linie erhält eine eindeutige Line Number (z.B. 8"-P-1234-A1A-I).

02

3D-Modellierung

Im Piping-Design-System (PDMS, E3D, SmartPlant, AutoCAD Plant 3D) wird der Leitungsstrang räumlich modelliert. Bauteile werden aus dem projektspezifischen Piping-Katalog ausgewählt.

03

Isometrie-Extraktion

Das 3D-Modell wird automatisch in einzelne Isometriezeichnungen zerlegt — entweder leitungsweise oder nach Spoolnummern. Stücklisten werden automatisch generiert.

04

Überprüfung & Ergänzung

Der Rohrleitungsingenieur ergänzt Schweißnahtnummern, Prüfanforderungen, Wärmebehandlungshinweise und Stützdetails. Isometrie-CAD-Systeme wie PiCAD® unterstützen diesen Schritt direkt.

05

Review & Freigabe

Interdisziplinäres Review (Verfahrenstechnik, Statik, PLT, Konstruktion). Roten-Mark-up-Kommentare werden eingearbeitet. Nach Freigabe: IFC-Status (Issued for Construction).

06

Montage & As-Built

Die Isometrie begleitet die Montage vor Ort. Nach Abschluss werden As-Built-Änderungen eingetragen (Leitungsführungsänderungen, tatsächliche Schweißnahtpositionen).

Leitungsnummern-System

Die Leitungsnummer (Line Number oder Line Designation) ist das zentrale Identifikationsmerkmal jeder Rohrleitung. Ein typisches Format:

Aufbau Leitungsnummer 8"-P-1234-A1A-I

8" = Nennweite  |  P = Mediumkürzel (Prozess)  |  1234 = laufende Nr.  |  A1A = Piping Class  |  I = Isolierung

Die Leitungsnummer erscheint in der Isometrie im Schriftfeld, als Beschriftung jedes Leitungsabschnitts und dient als Primärschlüssel in der Materialverwaltung und im SAP-System.

Schweißnähte in der Isometrie

Jede Schweißnaht erhält in der Isometrie eine eindeutige Weld Number. Diese ist Grundlage für:

  • Schweißerdokumentation (WPS, PQR)
  • Zerstörungsfreie Prüfung (RT, UT, PT, MT)
  • Wärmebehandlung (PWHT)
  • Druckprüfungs-Loopdokumentation
  • As-Built-Dokumentation

In CAD-Systemen werden Schweißnähte automatisch nummeriert und können in Schweißnaht-Datenbanken exportiert werden.

Software für Rohrisometrien

Die Erstellung und Verwaltung von Rohrisometrien wird heute vollständig durch CAD- und PLM-Software unterstützt. Der Markt reicht von großen integrierten Plattformen bis zu spezialisierten Standalone-Werkzeugen.

Software Hersteller Kategorie Besonderheiten
AVEVA E3D AVEVA 3D-Modellierung + Isoextraktion Industriestandard für große EPC-Projekte; integriertes Isogen-Modul
SmartPlant 3D (SP3D) Hexagon PPM 3D-Modellierung + Isoextraktion Durchgängige Datenbank; SPID, SPI-Integration; weit verbreitet bei Owner-Operators
AutoCAD Plant 3D Autodesk 3D-Modellierung + Isoextraktion AutoCAD-basiert; guter Einstieg für mittelgroße Projekte; ISO-Extraktion über Plant 3D
ISOGEN® / Alias Intergraph / Hexagon Isometrie-Engine De-facto-Standard-Engine hinter den meisten 3D-Systemen; konfigurierbare Styles
CADPIPE / PCF AEC Design Group 2D/3D-Piping PCF-Format (Piping Component File) als universelles Austauschformat für Isogen
PiCAD® W. Zegenhagen 2D-Isometrie-CAD (AutoCAD/BricsCAD) Spezialisiertes Standalone-System für manuelle und halbautomatische Isometrie-Erstellung; über 1.600 Befehle; bewährt in Energie- und Chemieprojekten seit über 25 Jahren
Rohr2 mb AEC Software Rohrleitungsstatik + Isometrie Fokus auf statische Berechnung mit Isometrie-Integration; verbreitet in deutschsprachigem Raum

PiCAD® — Isometrisches Rohrleitungs-CAD

PiCAD® ist ein seit über 25 Jahren im Industrieeinsatz bewährtes AutoCAD/BricsCAD-Addin speziell für die manuelle und halbautomatische Erstellung normengerechter Rohrleitungsisometrien. Mit über 1.600 spezialisierten Befehlen deckt PiCAD® den gesamten Workflow von der ersten Linie bis zur fertigen Stückliste ab — optimiert für Energie- und Chemieprojekte.

→ picad.de
// 07 · Fachglossar

Fachglossar Rohrisometrie

Die wichtigsten Fachbegriffe aus Rohrleitungsbau, Isometriezeichnung und Anlagendokumentation — deutsch und englisch.

As-Built-Zeichnung
Isometrie, die nach Abschluss der Montage den tatsächlich ausgeführten Zustand der Rohrleitung dokumentiert (ggf. abweichend von der IFC-Zeichnung).
BW — Butt Weld
Stumpfschweißverbindung. Verbindet zwei Rohrleitungsenden durch Stumpfnaht ohne Fügeelement. Standard-Verbindungsart ab DN 50 in Druckbehälterklassen.
CL — Centerline
Rohrmitte / Achse der Rohrleitung. Alle Maßeinträge in Isometrien beziehen sich i.d.R. auf die Rohrmitte (CL to CL).
EL — Elevation
Höhenkote der Rohrmitte, bezogen auf Anlage-Nullpunkt (meist Oberkante Fundament). Angabe z.B. EL +14.500 = 14,50 m über Bezugsebene.
IFC — Issued for Construction
Freigabestatus: Zeichnung ist für die Bauausführung freigegeben. Höchste Verbindlichkeit; Änderungen erfordern formales Revisionsvorgehen.
IFR — Issued for Review
Zeichnung zur Überprüfung durch andere Disziplinen oder den Auftraggeber. Noch kein Freigabestatus für die Fertigung.
LR / SR — Long / Short Radius
Unterscheidung von 90°- und 45°-Bögen nach Bogenhalbmesser. LR = 1,5 × DN, SR = 1,0 × DN. LR ist der Standard bei Prozessleitungen.
MTO — Material Take-Off
Mengenermittlung aller Rohrleitungskomponenten aus den Isometrien. Basis für Materialbeschaffung, Kostenermittlung und SAP-Bestellwesen.
P&ID
Piping & Instrumentation Diagram — verfahrenstechnisches Rohrleitungs- und Instrumentenfließbild. Übergeordnetes Dokument, aus dem Rohrisometrien abgeleitet werden.
PCF — Piping Component File
Standardisiertes ASCII-Dateiformat zur Übergabe von 3D-Rohrmodellen an die Isogen-Engine. Enthält alle Bauteil- und Geometriedaten eines Leitungsstrangs.
Piping Class (Rohrleitungsklasse)
Werkstoff-Druck-Temperatur-Klasse (z.B. A1A). Definiert zulässige Bauteile, Werkstoffe, Wanddicken und Verbindungsarten für einen Betriebsbereich.
PWHT — Post Weld Heat Treatment
Wärmenachbehandlung von Schweißnähten zur Spannungsarmglühung. In der Isometrie durch Sondersymbol oder Hinweis zu vermerken. Pflicht bei bestimmten Legierungen/Wanddicken.
Spool
Vorgefertigtes Rohrleitungsstück (Schuss), das im Werk zusammengeschweißt und auf die Baustelle geliefert wird. Jeder Spool hat eine eigene Zeichnung (Spoolzeichnung).
SW — Socket Weld
Einschweißmuffe / Muffen-Schweißverbindung. Rohrende wird in Muffe eingeschoben und umlaufend kehlnahtgeschweißt. Üblich bis DN 40 in höheren Druckklassen.
Tie-In
Anschluss einer neuen Rohrleitung an ein bestehendes System. Erfordert in der Isometrie besondere Markierung (Tie-In-Symbol) und Anfahrsequenz.
WPS — Welding Procedure Specification
Schweißanweisung, die Werkstoffe, Prozess, Parameter und Qualifikationsanforderungen für eine spezifische Schweißaufgabe beschreibt. In der Isometrie durch Schweißnahtbezeichnung referenziert.
Stressisomaerie / Stress Iso
Isometrie, die speziell für die Rohrleitungsstatik (Flexibilitätsberechnung, Eigengewichtslast, Windlast) erstellt oder annotiert wird. Enthält Lagerangaben, Massenverteilung, Temperaturdehnungen.
Druckprüfung / Pressure Test
Dichtheitsprüfung nach Montage. Unterscheidung: Hydrostatisch (Wasser) oder pneumatisch (Luft/N₂). Prüfumfang und Prüfdruck werden in der Isometrie oder im Loop-Dokument angegeben.

FAQ — Häufig gestellte Fragen

Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um Rohrisometrien, Normen und Praxis im Anlagenbau.

Was ist der Unterschied zwischen einer Isometrie und einer Spoolzeichnung?
Die Rohrisometrie bildet einen vollständigen Leitungsstrang ab — von Anschluss zu Anschluss, inklusive aller Armaturen und Halterungen. Eine Spoolzeichnung hingegen zeigt nur ein vorgefertigtes Teilstück (Spool) dieser Leitung, das als transportable Fertigungseinheit im Werk zusammengebaut wird. Eine Isometrie kann mehrere Spools umfassen, die durch Feldschweißnähte auf der Baustelle verbunden werden. Spoolzeichnungen enthalten Fertigungsmaße, Rohrenden-Vorbereitungen und ggf. Prüfanweisungen für die Werkstattfertigung.
Warum sind Rohrisometrien nicht maßstabsgerecht?
Rohrleitungen im Anlagenbau können Längen von wenigen Zentimetern bis zu mehreren hundert Metern aufweisen — auf einer A1-Zeichnung maßstabsgerecht darzustellen wäre entweder unleserlich (bei sehr langen Leitungen) oder würde riesige Formate erfordern. Die Lösung: Maße werden direkt in die Zeichnung eingetragen. Die gezeichnete Länge ist unerheblich; verbindlich sind ausschließlich die eingetragenen Maßzahlen. Diese Konvention ist seit Jahrzehnten international akzeptiert und ermöglicht ein kompaktes, lesbares Dokument unabhängig von der tatsächlichen Leitungslänge.
Welche Norm gilt für Rohrisometrien in Deutschland?
In Deutschland gibt es keine einzelne, allumfassende Norm speziell für Rohrisometrien. Die Basis bilden EN 13480 (Metallische Industrierohrleitungen) und ISO 10628 (Fließbilder / Darstellungsregeln). Für Symbolik wird häufig ISO 10628-2 bzw. ASME B31.3 herangezogen. In der Praxis überwiegen projektspezifische Engineering Standards des Auftraggebers (Owner Standards) oder der Engineering-Gesellschaft. International weit verbreitet ist EEMUA 158 als Empfehlung speziell für Isometrien. Bei Projekten für die Petrochemie/Raffinerie sind ASME-Normen dominant; bei europäischen Energie- und Chemieprojekten oft EN 13480 kombiniert mit kundenspezifischen Vorgaben.
Was enthält die Stückliste (Material List) einer Isometrie?
Die Stückliste (engl. Bill of Materials / Material List) listet alle Bauteile des dargestellten Leitungsstrangs mit Menge, Bauteilbezeichnung, Werkstoff, Norm-Referenz und ggf. Bestellnummer auf. Typischer Inhalt: Rohre (in Metern je Durchmesser/Wanddicke), Formstücke (Bögen, T-Stücke, Reduzierungen), Armaturen (Schieber, Kugelhähne, Rückschlagventile), Flansche und Dichtungen, Schweißenden-Besonderheiten. In modernen CAD-Systemen wird die Stückliste automatisch aus dem 3D-Modell oder aus der 2D-Isometrie generiert und kann direkt in SAP/ERP-Systeme exportiert werden. PiCAD® beispielsweise unterstützt den direkten CSV/JSON-Export zur SAP S/4HANA-Integration für die Materialbedarfsplanung.
Was bedeuten die Revisionsbezeichnungen A, B, C … auf einer Isometrie?
Revisionen kennzeichnen überarbeitete Versionen einer Zeichnung. Übliches System: Vor der Freigabe werden Buchstaben (A, B, C …) oder Ziffern mit Buchstaben verwendet — z.B. A0, A1, A2 für interne Überarbeitungen. Nach Freigabe für den Bau (IFC) folgen die Revisionen 0, 1, 2, 3 … Jede Revision wird mit Revisionsdatum, Beschreibung der Änderung und Visum im Schriftfeld dokumentiert. Ältere Revisionen bleiben im Dokumentenmanagementsystem archiviert. Auf der Baustelle ist ausschließlich die aktuelle Revision gültig; veraltete Zeichnungen müssen eindeutig als überholt markiert sein.
Kann ich Rohrisometrien auch manuell (ohne 3D-Modell) erstellen?
Ja — manuelle und halbautomatische Isometrieerstellung ist nach wie vor weit verbreitet, insbesondere bei Anlagenänderungen (Revamping), kleineren Projekten, Nachrüstungen und Altanlagendokumentation, wo kein 3D-Modell existiert oder wirtschaftlich nicht zu rechtfertigen ist. Spezialisierte 2D-Isometrie-CAD-Systeme wie PiCAD® bieten hierfür umfangreiche Werkzeuge: Symboleingabe, automatische Stücklistenführung, Maßeintragung und Schweißnahtnummerierung — ohne den Umweg über ein 3D-Modell. Diese Vorgehensweise ist auf Baustellen, in Wartungsbetrieben und bei älteren Industrieanlagen häufig die pragmatisch beste Lösung.
Was ist ein Tie-In und wie wird er in der Isometrie dargestellt?
Ein Tie-In bezeichnet den Anschlusspunkt einer neuen Rohrleitung an ein bestehendes, in Betrieb befindliches System. In der Isometrie wird der Tie-In-Punkt durch ein spezielles Symbol (z.B. ein umrandetes Dreieck oder Raute) markiert, ergänzt durch Tie-In-Nummer, bestehende Leitungsnummer und ggf. Absperrkonzept. Tie-Ins erfordern besondere Planung hinsichtlich der Betriebsunterbrechung (Shutdown, Hot Tap oder Cold Tap), Druckprüfung und Anfahrsequenz. In der Isometrie sind alle Angaben zu erfassen, die für die sichere Ausführung der Anschlussschweißung oder -verschraubung an der bestehenden Anlage erforderlich sind.